Meinungsmache im Internet ● Vertrauen ist so eine Sache

Seit der US-Wahl spricht man von den „Social Bots“, die in Heerscharen zum Einsatz kamen und Meinungen manipulierten. Die Bots sind vom Computer erzeugte künstliche Identitäten, die in Netzwerken wie Twitter, Facebook etc. Zustimmung oder Ablehnung vortäuschen. Das ist aber nur ein kleiner Teil der Manipulation. Im Zeichen des digitalen Zeitalters sind noch ganz andere  „digitale Kriege“ möglich. Wenn jetzt schon Regierungen aktiv mit den Bots arbeiten, kann es richtig gefährlich werden.

Man kann „Social Bots“ auch für wenig Geld bestellen um seinen Blog/Konto mit Besuchern oder Follower  „aufzupumpen“. Ein gemietetes Bot-Netz für 1000 gekaperte Rechner kostet ca. 50 Dollar. 1,3 Millionen Bots setzte die koreanische Regierung im Präsidentenwahlkampf ein, um die Stimmung der Netzbenutzer zu manipulieren.

Wem soll man im Internet eigentlich glauben?

Falschinformationen im Internet sind überall. Tausende von manipulierten Meinungen, sind bei guten Faks, mit einer künstlichen Intelligenz, nicht mehr von einem „echten“, z.B Follower, zu unterscheiden. Selbst Kommentare und Meinungen dieser Pogramme sind nicht mehr von einem „menschlichen Nutzer“ zu unterscheiden.

Meinungsmache, gegen Politiker, Künstler oder uns normalen Nutzer, eigentlich gegen ALLES, wird praktiziert um denjenigen klein zu halten und ihre eigene künstliche Bot- Massen-Meinung durchzusetzen. Wer nachher nicht mehr unterscheiden kann, was ist Wahrheit  und was ist manipulierte Meinung, wer seine „Wahrheit“ abhängig macht, von der Mehrheit eines Klicks im Internet, hat schon verloren und womöglich sich selbst geschadet.

Es gibt auch noch eine Vielzahl von Medien die mit belegbaren Argumenten arbeiten. Eine vielfältige Information aus unterschiedlichen Quellen, ist vielleicht immer noch die beste Möglichkeit eine bessere Wahrheit zu erhalten.

Propaganda Bot von Quelle Andreas Rinke

Was ist ein Bot?

„Bot“ ist vom englischen Wort „Roboter“ abgeleitet. Als Bots bezeichnet man Computerprogramme, die Aufgaben selbstständig bearbeiten. Sie erhalten zum Programmstart Aufgabenleitlinien und Regeln für die Durchführung. Danach arbeiten sie ohne weiteres menschliches Zutun ihre Aufgaben solange ab, bis der in der Aufgabenleitlinie festgelegte Endpunkt erreicht ist. Die wohl bekanntesten Bots sind die sogenannten „Webcrawler“ oder „Such-Bots“ von Internet-Suchmaschinen. Sie besuchen nach fest voreingestellten Leitlinien Web-Sites, deren Links ebenfalls vorgegeben sind und werten den Inhalt der Web-Sites über penibel festgelegte Datenfelder aus. Die vermutlich nervigsten Bots sind die sogenannten Spam-Spider, die E-Mail-Adressen für Werbezwecke sammeln. Sogenannte Exploit-Bots suchen auf per Link vorgegebenen Servern nach Sicherheitslücken in der dort installierten Software.

So arbeiten Propaganda-Bots

Propaganda-Bots haben einen semantischen Teil und einen Analyse-Teil, um Nachrichten, Tweets usw. erkennen zu können. Ihnen wird eine Position mit einer weitgehenden inhaltlichen Beschreibung vorgegeben und dann mischen sie sich aktiv in Diskussionen auf Twitter oder Facebook oder auf Blogs ein und verbreiten die Botschaften, die ihre Herren und Meister gern im Netz hätten. Und sie antworten eben auch auf Posts oder Tweets des Gegners. Die Bot-Entwickler gehen dabei von typischen Sprachhandlungen der Menschen aus, die sie in einer großen Datenbank gesammelt haben. In dieser Datenbank finden sich sprachliche Muster zu den Propagandaaussagen, die verbreitet werden sollen. Ein sprachliches Muster, das „Bewerten“ repräsentiert, enthält etwa Aussagen wie „ich finde“, „ich meine“, „nach meinem Dafürhalten“. Mit einer Big-Data-Anwendung wird berechnet, was Menschen üblicherweise sagen, wenn sie ein bestimmtes Sprachmuster benutzen. Diese Berechnung wird ergänzt durch die Analyse und Berechnung von Satzmustern, in die Aussagen hineinkopiert werden. Bei den Bot-Botschaften aus dem Trump-Lager finden sich auffallend oft Redewendungen, wie sie in empirischen Studien dem weißen Mittelstand unterstellt werden, während die Bot-Propaganda aus dem Clinton-Lager sehr stark mit wirtschaftlichem und anderem „Experten“-Vokabular arbeitet. Das Grammatik-Modul sorgt dafür, dass der Satz in sprachlicher Hinsicht stimmig ist.

Propaganda-Bots: Technische Infrastruktur

Im südkoreanischen Präsidentschaftswahlkampf hat der Geheimdienst des Landes 1,3 Millionen Bots eingesetzt, um die Stimmung der Netznutzer zu beeinflussen. Jeder Bot imitiert einen einzelnen Social-Media-Nutzer, braucht also eine eigene Internet-Protokoll-Adresse. Die Bot-Kommunikation muss so aussehen, als säße ein Mensch am Rechner. Das funktioniert nur mit Bot-Netzwerken. Solche Bot-Netzwerke werden zur Miete angeboten. Eine zweite Möglichkeit besteht darin, fremde Rechner regelrecht zu kapern, den eigenen Bot darauf zu setzen und den gesamten Rechner fernzusteuern. Das erfolgt über sogenannte Kontrollrechner. Schadsoftware, um fremde Rechner zu übernehmen, wird inzwischen als Standardware im Darknet genannten, dunklen Teil des Internet zu äußerst günstigen Preisen angeboten. Und auch die Preise für gemietete Bot-Netzwerke sind gefallen. 1.000 gekaperte Rechner kosten derzeit weniger als 50 Dollar.

23.11.2016 Quelle: Andreas Rinke, rtr

Ein Kommentar zu “Meinungsmache im Internet ● Vertrauen ist so eine Sache”

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.