*Vermischung der Sinne*  – es ist ganz anders! 

Wenn man Menschen näher kommt, wird es meistens interessant. Wenn man einem Menschen näher kommt, bei dem die Töne in der Musik

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unterschiedliche Farben und Formen haben oder Buchstaben und Zahlen erfühlt werden, ist das für mich erstmal nicht nachvollziehbar. Diese Menschen erleben die „Vermischung der Sinne“ und darum nennt man sie, im griechischen, mit ihrer ungewöhnlichen Fähigkeit, „Synästhetiker“.

Diese besondere Gabe ist kein Einzelfall. Die Schätzungen  gehen von 1:25.000 bis 1:2000 aus. Der Frauenanteil soll bei 80 Prozent liegen. Dieses Phänomen ist nicht erlernbar, es ist angeboren und  es wurde festgestellt, dass diese Menschen über ein ausgezeichnetes Gedächtnis und sehr hohe Kreativität verfügen, darum ist es auch nicht verwunderlich, dass viele berühmte Künstler Synästhiker sind, Goethe gehörte auch dazu. Es ist auch nicht verwunderlich, dass sie über eine überdurchschnittliche Intelligenz verfügen.

Überdurchschnittlich sind sie auch in ihrer Persönlichkeit. Festigkeit und Ausgeglichenheit sind ihre Merkmale. Ein hohes Maß an Angstfreiheit, psychische Stabilität und innere Geborgenheit, sagt man ihnen nach. Für mich mit meinen „einfachen“ Sinnesempfindungen habe ich genügend zu tun, darum ist Synästhesie für mich überhaupt nicht nachzuvollziehen. Die Wochentage in unterschiedlichen Farben sehen, das Spiegelei als Quadrat zu schmecken, hört sich wirklich sehr kompliziert an. Menschen mit dieser Eigenschaft empfinden sie aber als eine sehr positive Bereicherung ihres Lebens.

Da es sich bei diesem Phänomen nicht um eine Krankheit handelt, würde ich auch gerne einmal das Leben der „Sinnvermischung“, wenn auch nur kurzzeitig erleben, als Abenteuer zum Beispiel. Das Leben ist aber kein Wunschkonzert, darum werde ich mit meinen einfachen „Sinnleben“ weiter Leben müssen. Vielleicht auch besser so, denn wenn man nicht als Synästhiker geboren ist, wäre man als Einsteiger auf Dauer mit Sicherheit überfordert.