Das Leben in Unverbindlichkeit nervt manchmal

Viele in unserer Gesellschaft lieben geradezu eine gewisse Art von Unverbindlichkeit. Immer wieder kann man  diese Unverbindlichkeit im Umgang mit anderen Menschen,
wahrnehmen. Im Urlaub am Pool, an der Hotelbar, auf der Geschäftsreise, beim Bäcker mit der vertrauten Fachkraft, in der Firma, beim Smalltalk mit Bekannten und Geschäftspartnern und auch im privaten Umgang. Warum sonst werden Partnerschaften auf Zeit bevorzugt. Nur nicht festlegen.

Oftmals scheut man sich davor Entscheidungen zu treffen, es könnte ja eine Fehlentscheidung sein, also besser keine Verantwortung übernehmen. Wenn man verbindlich ist muss man Erwartungen erfüllen, man hat sich festgelegt, man ist nicht mehr frei. Dieses moralisch fragwürdige Verhalten in allen Bereichen des Miteinander, kann einem manchmal schon sehr nerven. Oft merkt man, wenn sich jemand auf Verbindlichkeit einlässt, es muss in den eigenen Kram passen und darf nicht einengen oder allzu viel Arbeit bedeutet.

Verträge unterschreiben wird leichter, wenn sie befristet und jederzeit kündbar sind. Und Freunde sind nur so lange dicke Freunde, wenn sie Fehler verzeihen, entspannt bleiben und kein Drama aus Aktionen machen, die halt „dumm gelaufen“ sind, wo Vereinbarungen zwar getroffen wurden, aber offenbar nicht für beide Seiten gleichermaßen
verbindlich. Aus Verspätungen, die vorhersehbar waren,
 aber einfach nicht mitgeteilt
wurden.

Ich persönlich hasse diese Haltung. Kann es nicht ausstehen, der Leidtragende zu sein, wenn ich mich selbst anstrenge, um etwas einzuhalten, und der andere nicht. Ich finde es auch nicht respektvoll per SMS abzusagen, nur weil es so am bequemsten ist.

Manchmal glaube ich das Unverbindlichkeit von vielen mit individueller Freiheit verwechselt wird, diese Menschen glauben, ihr Leben am besten bereichern zu können, indem sie alles Mögliche mitnehmen, allen Neigungen nachgehen, jedes Angebot in Erwägung ziehen.“ Es erscheint ja auch erst mal relativ uncool, sich freiwillig einzuschränken und sich auf eine Sache festnageln zu lassen. Das fühlt sich weder leicht an, noch kommt es lässig rüber.

Mir sind aber Leute lieber wo man noch sagen kann „Eine Frau/Ein Mann, ein Wort“. Mehr Verbindlichkeit oder Unverbindlichkeit ist natürlich auch von dem Beziehungsstatus fremd, bekannt, Freund, Familie, abhängig. Ich habe auch das Gefühl, das die sozialen Medien diese unverbindliche Art im Umgang mit Kontakten stark unterstützt und sogar fördert.

Was ist ein unverbindliches Angebot wert? Eigentlich gar nichts. Etwas mehr verbindliches, verantwortungsvolleres Handeln wäre dagegen, machmal zumindest, wunderbar.